Kleiner geschichtlicher Exkurs: Hochzeit im Mittelalter

Liebe? Wohl kaum! Hochzeiten während des Mittelalters waren besonders in den höheren Ständen nicht von Gefühlen getrieben, sondern von wirtschaftlichen und politischen Interessen. Hochzeiten ermöglichten so manchem einen deutlichen gesellschaftlichen Aufstieg.

Liebe war nicht unbedingt der Grund zur Heirat

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches hielt in Europa das dunkle Mittelalter Einzug. Bis hinein ins 14. Jahrhundert war Europa von dieser Entwicklung wirtschaftlich sehr geschwächt, erst durch Gründung der Hanse kam allmählich ein Aufschwung. Besonders durch den Handel mit fernöstlichen Gewürzen wie Pfeffer, Curry oder Muskat schafften es zahlreiche kleine Kaufleute, in kürzester Zeit zu enormem Wohlstand zu gelangen. Hatte es ein solcher Handelsvertreter geschafft, reich zu werden, so wollte er in der Regel auch gesellschaftlich ein paar Stufen empor steigen. Auf diese Weise war es ihm dann möglich, ein politisches Amt und im gleichen Zuge eine gewisse Macht zu bekommen. Die wirklich beste Möglichkeit war, sich in entsprechende Kreise einzuheiraten.

Nicht jeder konnte jeden heiraten

Mit dem Ziel, ein politisches Amt zu bekleiden, konnte beispielsweise die Ehe mit der Tochter eines Bürgermeisters ausgesprochen hilfreich sein. Da in solchen Kreisen natürlich entscheidend war, wer wen heiratet, mussten solche Hochzeiten mit allen möglichen Mitteln herbeigeführt werden. Vor allem hielt man sich aus wirtschaftlicher Sicht gesehen, möglichst in gleichen Kreisen auf, sprich, ein einfacher Handwerker hätte nicht ohne weiteres die Tochter eines Landrates heiraten können. Hochzeiten mit Braut und Bräutigam aus völlig verschiedenen Gesellschaftsschichten waren zwar nicht verboten, aber es brauchte extrem gute Kontakte und eine ordentliche Portion Glück, um diesen Schritt wagen zu können.

Hochzeit als politisches Kalkül

Hochzeiten im Mittelalter konnten durchaus weitgreifende politische Wirkung haben. Adelsfamilien haben beispielsweise Hochzeiten arrangiert, die in erster Linie dazu dienten, verfeindete Ländereien zu versöhnen und drohende Kriege zu vermeiden. Natürlich war das Thema „Liebe“ mehr als zweitrangig, die zu Vermählenden wurden in der Regel nicht nach ihren Wünschen gefragt. Und dennoch konnten sich auch hier einige glückliche Ehen entwickeln.
Die politischen und wirtschaftlichen Ziele einer Ehe ließen sich vor allem für Kaufleute, die es zu etwas gebracht hatten, durch eine Gilde erreichen. Hatte man es erst geschafft, sich durch sein erarbeitetes Vermögen in eine Gilde einzukaufen, bekam man gute Chancen auf fürstlich bezahlte Aufträge und die Gelegenheit, wertvolle Kontakte zu knüpfen. Kontakte, die auch für eine „lohnenswerte“ Hochzeit genutzt werden konnten.

Fazit: Große Feiern, kleine Gefühle

Aus heutiger Sicht sind die Hochzeiten des Mittelalters eher schauderhaft. Die Feierlichkeiten selbst waren pompös und aufwändig, wie man es sich heute nur schwer vorstellen kann. Die Gründe aber, aus denen geheiratet wurde, waren zumeist von politischer oder wirtschaftlicher Natur. Gefühle hatten dort keinen großen Platz. Zwar bleibt man in einigen höheren Gesellschaftskreisen immer noch gern unter sich, dennoch sind die gesellschaftlichen Faktoren nicht mehr so entscheidend.

Gastautor Daniel Deppe

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